Die beste Stunde für den Absinthe

Als hochprozentiges alkoholisches Getränk lässt sich Absinthe natürlich am besten in den Abendstunden genießen. Ebenso wie ein guter Weinbrand, Wermut oder Likör wird Absinthe jedoch bei Liebhabern auch mal als Verdauungstrunk nach einem reichen Mahl oder bei festlichen Anlässen serviert, was ebenfalls kein Verstoß gegen die guten Sitten ist. Ganz im Gegenteil gilt es als vornehm und besonders schick, auch mal am Nachmittag ein Gläschen Absinth zu zelebrieren. Viele Menschen kommen zum ersten Mal mit Absinthe in den Ländern, wo der Absinth eine lange Tradition hat, in Berührung. Zum Beispiel bei einem Urlaub in Frankreich, in der Schweiz, in Böhmen oder auch in den USA. Hier gehört es einfach dazu, auch die regionalen Absinthe-Trinkrituale auszuprobieren. Dazu kann man sich in einer gemütlichen Bar oder einem schicken Restaurant treffen und sich von den Kennern die richtige Trinkweise zeigen zu lassen. Absinth ist kein Erfrischungsgetränk, das man irgendwo am Strand oder unterwegs mal schnell zu sich nimmt. Gerade an besonders heißen Tagen kann der hohe Alkoholgehalt einem schnell den Kopf verdrehen. Hier kann man den Absinthe auf der Terasse oder in einem kleinen romantischen Straßencafé unter einer Markise auch gut gekühlt oder mit ein paar Eiswürfeln genießen und im Schatten den Absinth vor der Sonne schützen.

Rituale rund um den Absinthe

Der Absinthe war zwar ein sehr bekanntes Getränk, doch er alleine war nicht verantwortlich für seinen großen Erfolg. Ein anderer wichtiger Teil, der hier eine Rolle spielte, waren die verschiedenen Rituale, die den Konsum des Absinthes genauer beschrieben. Bei diesen Ritualen handelt es sich um Regeln, die genau definieren, wie man Schritt für Schritt den Absinth zu trinken hat. In den verschiedenen Ländern haben sich dann nach und nach eigene nationale Rituale entwickelt, die auch ein wenig zum Nationalstolz beigetragen haben.

Schweizerisches Ritual

Das schweizerische Ritual war damals nicht so weit verbreitet, weil es im Vergleich zu den anderen Ritualen relativ einfach ist. Es wird hier einfach nur der Absinth mit Wasser gemischt und dann getrunken. Man kann in diesem Zusammenhang eigentlich nicht von einem Ritual sprechen, aber in der Schweiz hat diese traditionelle Form des Konsums einen besonders hohen Stellenwert.

Das französische Ritual

Das französische Absintheritual ist eines der populärsten und auch eines der ältesten Rituale. Es zählt heute noch zu den am weitest verbreiteten Trinkritualen und wird auch in vielen anderen Ländern vollzogen. Das Absintheglas wird hierbei mit 2cl oder 4cl Absinth gefüllt und dann wird der Absinthelöffel über das Glas gelegt. Im nächsten Schritt musste Wasser hinzugefügt werden. Dies geschah mittels einer Absinthefontaine, die langsam das Wasser darüber laufen ließ. Eine Absinthefontaine besteht aus einem Wasserbehältnis, dass auf einer Säule angebracht wurde und an dem mehrere kleine Wasserhähne befestigt waren. Es wurde dann so lange Wasser darüber laufen gelassen, bis sich der Zucker, meist ein oder zwei Würfel, aufgelöst hatten. Der Absinth bekommt dann eine Trübung, die man als Lourche bezeichnete.
Dieses Ritual spielte sich damals in Frankreich täglich mehrere tausendmal pro Tag ab und konnte sich von hier aus über die ganze Welt verbreiten. Auch heute noch gehen viele Absinthtrinker nach diesem Ritual vor.

Tschechisches Ritual

Das tschechische Trinkritual ist eine Erfindung der neueren Absinthegeneration und konnte sich in den letzten Jahren weltweit verbreiten. Hierbei werden ein oder zwei Würfelzucker auf den Absinthelöffel gelegt und danach wird ein wenig hochprozentiger Absinthe darüber geschüttet. Anschließend wird der Zucker angezündet. Dieser beginnt dann zu karamellisieren und in den Absinthe im Glas zu tropfen. Wenn dann der Zucker komplett aufgelöst ist, wird das Glas mit beliebig viel Wasser aufgefüllt.

Böhmisches Ritual

In Böhmen wird der Absinth in einer kleinen Glaspfeife konsumiert. In den Wasserbehälter dieser Pfeife werden der Absinth und mehrere Eiswürfel gefüllt. Dann beginnt man an der einen Öffnung zu ziehen, worauf der Absinthe dann mit viel Druck in den Mund gelangt. Die Wirkung, die er hier entfaltet, ist einfach unbeschreiblich und man sollte als Absinthetrinker dieses Erlebnis einmal mitgemacht haben.

Absinthe mit der Brouille

Bei dieser Form des Rituals handelt es sich um eine sehr weit verbreitete Form des Absinthetrinkens, die auch heute noch sehr beliebt ist. Der Vorteil dieses Rituals ist die Einfachheit und das perfekte Ergebnis. Die Brouille ist ein kleiner Aufsatz für das Absintheglas, in das dann Eiswasser gefüllt wird. Von hier aus rinnt dann ein dünner Strahl dieses Wassers in den Absinthe, der dann langsam die klassische Trübung erhält.

Absinthe mit dem Brouilleur

Das Brouilleur ist ebenfalls ein Aufsatz für das Absintheglas, welches mit Zucker und Wasser gefüllt wird. Anschließend fließt das Wasser durch eine Öffnung langsam in eine Wippe. Von hier aus tropft dann das Wasser mit einem leisen Geräusch in den Absinthe. Dieses Ritual ist sehr faszinierend und wurde damals exklusiv für die Absinthmarke Cusenier eingeführt.